Es beginnt selten mit einer Antwort. Meistens beginnt es mit etwas, das mich verwirrt: ein Satz in einem Fachbuch oder eine Bemerkung in einer Internet-Quelle. Ein Name, der immer wieder auftaucht. Eine Frage, die sich nicht abschütteln lässt.
Eigentlich wollte ich Informationen über die ersten Computer herausfinden, möchte verstehen, wie eine bestimmte Maschine funktioniert hat. Doch die Spur führt mich zu einer Person, von der ich noch nie gehört habe. Ich lese einen Eintrag in einer Datenbank, suche nach Primärquellen und stelle fest, dass diese Person eine größere Rolle spielte, als die meisten Darstellungen vermuten lassen. Aus einer Nebensache wird eine Persönlichkeit.
Aus diesem Material forme ich dann einen Text. Ich ordne die Funde chronologisch oder nach Themen: Was geschah bei der einen Person, was zur gleichen Zeit bei einer anderen? Waren sie am selben Projekt beteiligt oder an derselben Universität? Weil es in meiner Recherche oft um den Zweiten Weltkrieg geht, wird auch der Ort wichtig: Befanden sich zwei Menschen zur gleichen Zeit am selben Einsatzort? Genau in diesen Überschneidungen liegt für mich der spannendste Moment der Recherche. Er stellt sich selten zu Anfang ein. Meistens erst, wenn schon viel Material zusammengetragen ist, beginnen einzelne Teile sich zu einem Ganzen zu fügen.
So wird aus einer Erfindung die Lebensgeschichte eines Menschen, der manchmal übermütig, aber auch niedergeschlagen war, wie jeder andere. Brilliante Erfinder waren eben auch Menschen wie du und ich, mit denselben Problemen. Ihre kleinen Erinnerungen zeigen vor allem eines – dass diese Menschen nicht aufgegeben haben.
Dann schaue ich, ob es beispielsweise Anekdoten über die Eigenheiten einer Person oder Kurioses über eine Technik gibt. Ich suche nach verlässlichen Quellen für eindrucksvolle Ereignisse, die wirklich stattgefunden haben, und formuliere daraus mein Narrativ. Am liebsten arbeite ich mit Originalquellen und Fachliteratur aus Archiven, doch vieles finde ich auch digital. Was ich zusammentrage, schreibe ich direkt in den Computer, in Literaturlisten und Tabellen, damit ich es später wiederfinde. Ganz alte Schule.
Woran erkenne ich, dass eine Spur aussichtsreich ist? Meistens daran, dass ich einen fesselnden Aufsatz über ein technisches ‚Wunder‘ finde oder die Menschen dahinter selbst faszinierend sind – ihre Vorgeschichte, aber auch die Technik, die sie entwickelt haben und die bis heute immer wieder genannt wird. Besonders aufregend wird es, wenn sich Verbindungen zeigen: wenn Namen wiederkehren, wenn sich herausstellt, dass zwei Menschen sich kannten oder etwas gemeinsam hatten. Genau diese Beziehungen suche ich.
Reines Technikwissen oder aneinandergereihte Fakten beeindrucken mich dabei weniger. Das lässt sich bei Wikipedia nachlesen. Wikipedia ist für mich eine gute Quelle, aber nicht die einzige – und nicht das, worum es in diesem Buch geht. Hier geht es um Menschen: Warum beschäftigten sie sich mit Problemen, die ihre Zeitgenossen für unlösbar hielten? Was hat sie angetrieben?
Ich erforsche, wie Ideen entstehen. Denn die Geschichte des Computers beginnt mit Menschen, die Fragen stellten.