Von Golem bis ENIAC
Eine Ideen- und
Kulturgeschichte über den
Weg zum ersten Computer
Klappentext
Wo beginnt die Geschichte des maschinellen Denkens wirklich?
Nicht mit Chatbots, sondern Jahrhunderte davor: Ein Rabbi formt aus Lehm den Golem, einen Wächter, der nicht zögert und nicht ermüdet. In Goethes Faust erschafft ein Gelehrter den Homunkulus, einen Geist ohne Körper. Mary Shelleys Frankenstein dreht den Gedanken um: Was, wenn das Geschaffene zu fühlen beginnt? Lange bevor der erste Computer rechnet, träumen Menschen davon, Leben zu erschaffen, und Denken festzuhalten, bis es sich vom Menschen löst. Aristoteles gibt dem Denken die ersten festen Regeln. Es dauert Jahrhunderte, bis daraus ein Bauplan wird.
Fünf Orte.
Fünf Teams, die nichts voneinander wissen: Berlin, England, Cambridge, Iowa, Philadelphia.
Am Ende bauen sie, fast zeitgleich, die ersten funktionierenden Rechenmaschinen. Manchmal ist es die Zeit, die eine Leistung verschweigt. Manchmal ein Urteil oder der Befehl, Baupläne zu verbrennen. Frauen, die rechnen und programmieren, ohne dass ihr Name je auf einem Patent steht. Doch am Ende ist es immer das Ergebnis vieler Beiträge, die sich nie berührt haben. Eine einzelne Erfindung war es nie. Der Computer gehört niemandem allein.
Ein Buch für alle, die wissen wollen, woher die Idee der denkenden Maschine tatsächlich kommt, bevor sie sich ein Urteil über ihre Zukunft bilden.
Inhaltsverzeichnis
Teil I — Der Traum vom künstlichen Denken
- Kapitel 1 — Golem und die ersten Ideen der Maschine
- Kapitel 2 — Babbage und Lovelace — Die ersten Entwürfe des Computers
Teil II — Eine Sprache für Maschinen
- Kapitel 3 — Von der Logik zur Schaltung – Aristoteles, Boole und Shannon
- Kapitel 4 — Kurt Gödel und die Unvollständigkeit der Mathematik
- Kapitel 5 — Alan Turing: Die Grenzen der Berechenbarkeit
- Kapitel 6 — Vannevar Bush — Die Sprache der Bewegung
Teil III — Fünf Wege zum ersten Rechner
- Kapitel 7 — Konrad Zuse und sein Weg zur programmierbaren Rechenmaschine
- Kapitel 8 — Tommy Flowers — Colossus und der Lorenz-Code
- Kapitel 9 — Howard Aiken und Grace Hopper: Der Bau des Harvard Mark I
- Kapitel 10 — John Atanasoff und Clifford Berry: Der Streit um den ersten Computer
- Kapitel 11 — John Mauchly, Presper Eckert und die Programmiererinnen des ENIAC
Epilog — Der Computer gehört niemandem alleinIhr Titel
Leseprobe
In der Ferne schlägt die Kirchturmuhr Mitternacht. Ein fahles Mondlicht liegt über der Moldau, lässt den Nebel schimmern und zeichnet blasse Konturen ans Ufer. Drei Männer stehen dort, reglos in der Dunkelheit. Der Atem dampft. Mit klammen Händen schöpfen sie Lehm aus einer Grube und beginnen zu formen. Modergeruch liegt in der Luft, schwer und süß. Der Ton klebt an ihren Fingern. Wortlos kneten Rabbi Löw, der angesehene Gelehrte der jüdischen Gemeinde, sein Schüler und sein Diener die Masse, bis sich eine Gestalt abzeichnet, die bald größer ist als sie selbst. Rabbi Löw erhebt sich, die Hände gefaltet, den Blick versenkt. Dann weist er Diener und Schüler an, die Lehmfigur sieben Mal zu umschreiten, während er die Arme hebt und beginnt, uralte Worte, Zahlen, Silben, zu sprechen, die im Nebel hängen bleiben. Sein Gemurmel wird lauter, die Worte drängen sich, bis der letzte Laut im Nebel zerfällt. Ein Moment. Nichts als das Rauschen der Moldau.
Ein Zittern geht durch den Körper aus Lehm. Der Kopf hebt sich, die Brust dehnt sich, als wollte sie atmen. Da steht er – der Golem, stumm und reglos. Er ist bereit.
Er gehorcht, ohne zu fragen. Wenn der Rabbi ihn ruft, legt er ihm ein beschriebenes Pergament in den Mund, hängt ihm ein Amulett aus Hirschhaut um den Hals — und der Golem setzt sich in Bewegung, körperlich stärker als jeder Mensch, aber ohne Seele, ohne freien Willen. Unsichtbar für andere schützt er die Gemeinde vor Gefahr.
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Kurzvita der Autorin
Barbara Hardy ist Diplom-Biologin mit Schwerpunkt in Biophysik, Biochemie und Informatik. In einem Verlag ist sie journalistisch ausgebildet worden – ein Wissen, das heute in ihre Bücher einfließt. Viele Jahre stand ihre Familie im Mittelpunkt: vier Kinder, die sie mit ganzer Kraft begleitete. Nebenbei lernte sie Französisch, dann Englisch – bis zur staatlich geprüften Übersetzerin. Seit 2024 beschäftigt sie sich als freie Autorin mit wissenschaftlichen und technischen Themen, insbesondere mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von KI-Technologien und der Geschichte des maschinellen Denkens. Ihr Ziel ist es, komplexe technische Entwicklungen verständlich und menschlich erfahrbar zu machen. „Von Golem bis ENIAC“ ist ihr erstes Buch. Sie lebt in Oberhausen.
Für Presseanfragen: info@barbara-hardy.de
