Menschen haben schon immer versucht, Ordnung in ihr Wissen zu bringen. Bibliotheken, Karteikästen, Nachschlagewerke und Archive entstanden aus demselben Bedürfnis. Informationen zu sammeln genügt nicht. Man muss sie auch wiederfinden und miteinander verbinden können.

1945 veröffentlichte Vannevar Bush seinen Essay As We May Think. Darin beschäftigte er sich mit einer Frage, die heute aktueller wirkt denn je: Wie können Menschen mit immer größeren Mengen an Wissen umgehen?

Er beschrieb ein Gerät, das er ‚Memex‘ nannte. Informationen sollten gespeichert, miteinander verknüpft und jederzeit wiedergefunden werden können. Nutzer sollten ihren eigenen Gedankengängen folgen und Verbindungen zwischen verschiedenen Dokumenten herstellen.

Vannevar Bush beschrieb kein zukünftiges Internet. Das World Wide Web ebenfalls nicht. Dennoch finden sich in seinen Überlegungen Gedanken wieder, die später in Hypertext, Suchmaschinen und digitalen Wissenssystemen eine wichtige Rolle spielten.

Interessant erscheint mir dabei weniger die technische Seite seiner Vision als der Ausgangspunkt seiner Überlegungen. Vannevar Bush erkannte ein Problem, das seine Zeit gerade erst zu spüren begann. Wissenschaftler produzierten immer mehr Wissen. Gleichzeitig wurde es zunehmend schwieriger, Zusammenhänge zu erkennen und Informationen sinnvoll zu nutzen.

Genau dieses Problem begleitet uns auch heute. Wir verfügen über digitale Archive, Suchmaschinen, Datenbanken und Systeme der Künstlichen Intelligenz. Dennoch wächst die Menge verfügbarer Informationen schneller, als ein einzelner Mensch sie erfassen kann.

Aus heutiger Sicht wirkt das fast paradox. Die technische Herausforderung bestand lange Zeit darin, Informationen zu speichern. Heute besteht sie darin, aus einer unüberschaubaren Menge das Relevante zu finden.

Gerade darin unterscheidet sich Vannevar Bush von vielen anderen Zukunftsdenkern. Er konzentrierte sich nicht auf eine bestimmte Maschine. Ihn interessierte ein Problem, das mit jeder neuen Technologie größer wurde.

Viele frühe Computervisionen kreisten um Rechenleistung. Schnellere Maschinen. Größere Speicher. Effizientere Verarbeitung. Vannevar Bush richtete seine Aufmerksamkeit auf den Menschen. Wie findet jemand eine Information wieder? Wie entstehen Verbindungen zwischen verschiedenen Wissensgebieten? Wie lässt sich verhindern, dass Wissen zwar verfügbar ist, aber ungenutzt bleibt?

Deshalb wirkt sein Text heute erstaunlich vertraut. Seine Bedeutung liegt nicht in einer präzisen Vorhersage späterer Technologien. Entscheidend ist die Frage, die ihn beschäftigte und die bis heute aktuell geblieben ist.

Manche Zukunftsentwürfe beschreiben Geräte. Andere beschreiben Probleme. Die zweite Gruppe altert meistens langsamer.

 

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